Mein erstes Motorrad, das ich leider bei einer kleinen Meinungsverschiedenheit mit einem Audi verlor - wir konnten uns nicht ganz darauf einigen, welches denn nun die richtige Fahrbahnseite in einer Rechtskurve wäre. Resultat war ein angebrochenes Kniegelenk und ein um 5 Grad steilerer Lenkkopfwinkel - und ein lächerlicher eingedrückter Kotflügel, der meine Versicherung Unsummen gekostet hat...
Schade eigentlich, denn die Tengaii ist ein ideales Anfängermotorrad, das fast alle Fahrfehler verzeiht und ideal für kurvige Landstraßen ist. Einziger Wermutstropfen ist wohl der Motor, der zwar eine, gerade für einen Einzylinder, geniale Standfestigkeit hat, was jedoch leider auf Kosten der Agilität geht dennoch ein wundervolle Motorrad!
Ein gutmütiges Motorrad. Durch das etwas mehr an Plastik durchaus auch für die Autobahn tauglich allerdings wird's ab ca. 120 km/h dann doch ein wenig zugig man kann sie aber dennoch gut ausfahren (160 laut Tacho bei 48 PS). Allerdings wird sie dann (je nach Reifen) ein wenig instabil...
So richtig wohl fühlt sich die Tenagii auf kleinen, kurvigen, Sträßlein, wo sie ihre Agilität voll ausspielen kann.
Sie ist sehr handlich, hat auch in engen Kurven (Spitzkehren) nie das Problem, daß man sie plötzlich 'wie ein Fahrad' lenken müßte. Sie liebt es einfach, wenn die Rasten aufsetzen geeignete Reifen vorausgesetzt...Das Schlüsselerlebnis war für mich eine kleine Tagestour am Gardasee. Auf dem Rückweg von einer Tour über den Schotterpaß Tremalzo fuhren wir ca. 3 Stunden am Stück über lauter kleine, abartig kurvige Sträßchen zurück an den See. Nach den drei Stunden war's dann mit der Konzentration vorbei. Körperlich war's eigentlich ein Kinderspiel gewesen. Die Tengaii fiel nur so von einer Kurve in die andere; ich hatte fast nichts zu tun. Ich dachte quasi nur an die nächste Kurve, und da lag' ich auch schon 'drinnen - einfach nur geil!
Die Sitzbank bietet viel Platz für Fahrer und Sozius, welcher noch recht angenehm sitzen kann.
Die Federvorspannung sowie der Dämpfungsgrad des hinteren Federbeins lassen sich in mehreren Stufen in gewissen Grenzen einstellen.
Die Vordergabel kann mit bis zu zwei Bar Luftdruck noch ein wenig härter eingestellt werden (was aber auf Dauer auf die Lebensdauer der Simmeringe der Tauchrohre geht). Dadurch läßt sich das Fahrwerk auf unterschiedlichste Beladung anpassen. (Wichtig ist hierbei natürlich wie immer, daß genügend Gewicht auf dem Vorderrad bleibt. Zu empfehlen ist hierfür ein großer Tankrucksack mit Seitentaschen. Weitere Infos zu richtigen Beladung gibt's hier.)Ein wenig ungünstig ist die Tankreserve-Vorrichtung. Da der Tank nur einen Auslas (mit Hahn) hat, kommt es leider vor, daß trotz Reservestellung des Hahnes, der Benzinstrom abbricht, obwohl noch Benzin im Tank ist. Dann hilft nur kippen des Mottorads auf die Hahnseite, um das restliche Benzin dann von der anderen Seite des Tanks aus auf die Hahnseite zu befördern. Äußerst lästig, da daraufhin meist das Anlasser-Orgeln beginnt, weil der Benzinschlauch ja zuvor leergesaugt wurde.
Für eine größere Tour zu zweit mit viel Gepäck ist sie allerdings doch ein wenig klein was allerdings nicht heißen soll, das es nicht ginge...
Nun, 180 Kg (mit vollem 23-Liter-Tank) sind natürlich nicht gerade von Pappe. Es gibt sicher passenderes um auf einer Cross-Strecke zu fahren. Aber wer keine ganz so hohen Offroadansprüche hat wird seinen Spaß haben.
Den Tremalzo ging's spielend hoch. Wenn man groß genug ist (ich bin 1,87) dann läßt sich die Tenagii auch noch im Schritt-Tempo auf engen Schotter-Gebirgspässen gut handhaben.Ein wenig lästig ist allerdings der ungünstig angebrachte Hauptständer. Er nimmt einem ca. 4 cm Bodenfreiheit, setzt bei jedem Sprung über eine Versatz grundsätzlich mit einem höllen Schlag auf und ist zudem zusammen mit den vier 10er-Schrauben der Fußrasten angeschraubt.
Wenn die nicht immer mit dem richtigen Drehmoment angezogen sind, ist da ruck zuck eine abgescheert und da die Buchsen in einem geschlossenen Kästchen am Rahmen verschweißt sind, ist es eine ziemliche Pfriemelei die Reste 'rauszukriegen, ohne die (mit nur vier kleinen Lötpunkten angehefteten) Kontermuttern loszureißen...Auch der Motorschutz aus Plastik ist nicht gerade etwas für längere Offroad-Touren (aber dazu gleich noch mehr...)
Empfehlenswert ist die Anschaffung eines Tankschutzbügels (kostet ca. €100,-). Er minimiert Sturzschäden an Verkleidung und am Fahrer (respektive seinen Beinen ;-P... Leider war meiner ja an jenem verhängnisvollen Tag nicht montiert er hätte mich sonst vielleicht vor gebrochenen Knochen bewahrt).
Alles in allem würde ich aber doch sagen, daß man mit ihr schon ordentlich Spaß im Gelände haben kann, denn es ist doch recht viel drin.
Für anspruchsvollere Geländetouren (z.B. Afrika, Australien usw.) empfehlen sich einige Modifikationen:
Zunächst den oben schon empfohlenen Tankschutzbügel (ca. €100,-) montieren. (Er schützt nicht nur vor Lack-, Plastikschäden und Verletzungen an den Beinen des Fahrers, sondern kann auch noch zur Befestigung von Tankrucksack oder Seitentaschen benutzt werden. Gerade im Gelände ist eine optimale Ausbalancierung des Motorrads von größter Wichtigkeit. Deshalb: nie zu wenig Gewicht auf das Vorderrad!!! - o.k. außer bei Tiefsand vielleicht... :-)
Dann natürlich einen stabilen Kofferträger, wobei ich persönlich zum Eigenbau tendiere. Hier zählt außer der Robustheit vor allem der Platz. Je weniger an Breite verschenkt wird um so besser!
Alternative zu diesem stabilen aber auch recht schweren Koffersystem sind Wasserdichte Packsäcke oder Überwurftaschen - alles in Allem können die schon bis zu 10kg Gewichtsersparnis am Hinterrad bedeuten, und diese machen sich gerade im Gelände deutlich bemerkbar!Auch der Motorschutz aus Plastik sollte überarbeitet werden. Z.B., in dem man ein ca. 3mm dickes Alublech um das Plastik herum biegt (anpaßt) und gut festnietet, oder indem man sich einen kompletten eigenen Motorschutz konstruiert (z.B. einen Geschweißten, selbstragenden aus Alu, dem aus Plastik nachempfundenen, oder einen aus mit Alublechen verkleideten Stahlrohr-Rahmen).
Die zuerst genannte Alternative ist hier sicher die einfachste und schnellste, und durchaus praktikabel.Und dann ist da ja natürlich noch der unglückselig Hauptständer. Da hilft nur eines: weg damit!!! Denn was so oft aufsitzt, bringt nichts als Ärger. Schließlich gibt's nichts lästigeres, als mitten im Nichts auch noch Schweißarbeiten am Rahmen durchführen zu müssen. Und das nur, weil der dumme Hauptständer mal wieder die Befestigungsschrauben für die Fußrasten abgetrennt hat!
Die Reichweite liegt zwischen 350 und 400 km pro Tankfüllung. Das sollte für die meisten Touren reichen. Ansonsten hilft nur Kanister-schleppen, denn leider gibt's nur für die KLR größere Tanks von Acerbis.
Und nicht zu vergessen, die richtigen Offroad-Reifen. Reifen, sind das 'A'-und-'O' einer jeden Offroad-Tour. Auswahlkriterien sind hierfür im wesentlichen, das zu bewältigende Terrain, sprich die Bodenbeschaffenheit (Sand, Schotter, scharfkantiges Geröll, Piste) und natürlich, wieviel Verbindungsetappen auf Teer gefahren werden müssen denn für die meisten Offroad-Reifen und ihre Stollen gibt es nichts schlimmeres als Teer.
Werkzeug der Wahl ist natürlich der 'Michelin Desert'. Er paßt allerdings (140er) nur knapp in die Schwinge. Alternativ kann man auch auf den 130er T63 von Michelin ausweichen. Er hat fast dieselbe Profilform wie der Desert aber ein wenig weniger Loch.
Die Tengaii ist, wie die genaue Typen-bezeichnung schon vermuten läßt, eine mit mehr Plastik versehene KLR 650.
Der fast schon legendäre, zuverlässige 650er Einzylinder leistet bis zum Modelljahr '90 satte 48PS ab dann aus Lärmverordnungsgründen nur noch 42PS :-(Abgesehen von dem Mehr an Plastik, sind die KLR und die Tenagii sonst identisch: gleicher Rahmen, gleicher Motor, sogar ab der Sitzbank gleiches Plastik.
Dies gilt übrigens auch für die, seit Baujahr '95 wieder ins Programm aufgenommene KLR. Die Frontverkleidung (kleiner denn je!) hat sich zwar geändert, sonst ist aber alles beim Alten geblieben mit 42 PS aus Lärmschutzgründen, versteht sich...
650 Kubik aus einem einzigen Topf, das ist schon nicht gerade wenig und solange es nur ein Zylinder sein soll, kommt man sowieso nicht groß über die 48 PS hinaus. Wie bei vielen Einzylindern kommen die vollen 48 PS aber erst bei Drehzahlen über 5500 upm zum Tragen, und bei 7500 upm ist dann auch schon wieder Sense. Wer sich also z.B. mit einer Africa Twin anlegen will, muß schon ein paar mal häufiger Schalten. Dennoch kommt 'unten 'raus' so ab ca. 2000 bis 2500 upm ordentlich 'was bei 'rum.
Der 650er Motor von Kawa hat, ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem 600er, einen hervorragenden Ruf. Er ist für einen Einzylinder äußerst langlebig und robust (60Mm - 90Mm sind durchaus machbar). Auch die Qualität stimmt. Diese Langlebigkeit geht allerdings ein wenig zu Lasten der Laufkultur: Der 650er Motor ist ein wenig träge, dafür muß man nicht so sehr am Gas bleiben, und hat kaum Probleme damit den Motor abzuwürgen...
Einige seltsame Vorfälle gibt es allerdings immer wieder. Man hört z.B. hin und wieder, daß ein Steuerkette gerissen sei, was verheerende Folgen haben kann. Oft bekommt davon dann gleich der halbe Motorblock 'was ab. Daher sollte man regelmäßig die Steuerkette Spannen.
Aber solche Probleme sind doch eher die Ausnahme und wohl meist auf nicht fachgerechte Wartung zurückzuführen.
Ein leidiges Thema...
...Drosselsätze gibt es von Kawa selbst für ca €150,- plus Montage. Die 27PS-Drosselung funktioniert mittels einer Bohrung im Unterdruck-Gasschieber des Vergasers. Diese verhindert ganz simpel, daß (trotz ganz geöffneter Drosselklappe) der volle Querschnitt des Vergaserkanals genutzt werden kann. Überlisten kann man diese Drosselung z.B. mittels einer zurecht gefeilten Alu-Niete, die man einfach einpreßt (vor allem die Außenseite des Schiebers muß dabei jedoch plan bleiben, um die Laufbuchse nicht zu verkratzen!).Die Drosselung auf 42 PS geschah übrigens bei den ersten Modellen mittels einer kleine Hülse, die diesmal im Inneren des Unterdruckschiebers angebracht wiederum verhindert, daß der volle Vergaserkanalquerschnitt genutzt werden kann. Der Vergaser (Modell nach '94) meines Kumpels Phil war jedoch komplet anders abgestimmt, was jegliche 'Entdrossellungs-versuche' leider im Keim erstickte...
Ich hatte zuletzt den METZELER ENDURO 1 (vorne) bzw. ENDURO 2 (hinten) und war sehr zufrieden. Er ist zwar eigentlich eher ein Straßenreifen, jedoch trotzdem relativ grobstollig, sodas er im Gelände durchaus zu gebrauchen ist (natürlich nichts im Vergleich zu einem echten Offroad-Reifen...)
Er hielt auf der Straße trotzdem jede Schräglage und ist auch recht langlebig (>10Mm hinten bis 20Mm vorne).Für echte Offroadtouren muß da natürlich schon was gröberes her. Der Klassiker ist dabei natürlich der Michelin Desert. Alternative hierzu ist sicherlich der Michelin T63, der beinahe so aussieht wieder Desert, jedoch eine andere Gummimishung hat und nicht so derb überdimensioniert ist...
Eine meiner Lieblingskombinationen ist der Pirelli MT21 vorne und der Michelin Desert hinten (der MT 21 hat im Vergleich zum Desert Vorderreifen deutlich weniger Loch und dafür eine Lebensdauer von bis zu 15000km im Gelände)
Ja die Bremsen...
...wie bei allen KLRs eher etwas für Kräftigere. Hinten muß man schon ordentlich 'reintreten, damit sie blockiert (was aber in Gefahrensituationen gar nicht so ungünstig ist, blockiert sie doch nicht ganz so schnell, und trägt dadurch zur Stabilität beim Bremsen bei). Dann ziehen sie aber ordentlich. Ich hatte eigentlich nie Probleme mit ihr (außer als ich mit nicht Originalbelägen gefahren bin ...). Man gewöhnt sich recht schnell an sie.
Vorne muß man auch ordentlich zudrücken, aber dann kommt sie auch schon recht gewaltig. Für 'n abhebendes Hinterrad (auf trockener Straße versteht sich) reicht's allemal.Was besonders wichtig ist: Immer original Bremsbeläge fahren!!! Alles andere ist einfach nicht gut genug. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß bis zu ca. 1/3 der Bremsleistung verloren geht, und zudem hatte ich in den Alpen an meiner Hinterbremse Bremsfading (bei stark erhitzten Bremsen, sprich: nach langem Bremsen, z.B. in den Bergen, nimmt plötzlich die Bremsleistung stark ab).
Zudem sollte man die Märchen von den wunderbaren Austauschbremsbelägen die ewig halten genauer betrachten: die, die dieses Versprechen tatsächlich einhalten, haben dann nämlich deutlich höheren Verschleißan der Bremsscheibe zur Folge - und für 'ne neue Bremsscheibe kann man sich etliche Sätze original-Beläge kaufen...Gerade bei den Bremsen sollte man meiner Ansicht mach nicht sparen!
- Steuerkette regelmäßig spannen
Spätestens wenn das Rasseln des Motors 'mal wieder unerträglich wird sollte man die Steuerkette Spannen, besser natürlich bei jedem Nachspannen der Antriebskette...
Das ist auch mit einigen Handgriffen schnell getan: Am linken Seitendeckel, ganz unten, kurz über dem Motorschutz, ist ein kleines Deckelchen mit einem Inbus (Innensechskant). Diese Abdeckkappe abschrauben, die darunterliegende Schraube lockern, ein, zwei Mal gegen das Motorgehäuse klopfen, damit sich die halbautomatische Spannvorrichtung löst, dann wieder handfest anziehen, Deckel 'drauf und fertig!
- Waat-Tauglichkeit
Ein kleines Problem können tiefere Furten sein. Wie bei den meisten Motorrädern sollte man bei wirklich tiefen Furten, bei denen der Motor komplett im Wasser verschwindet sämtliche Schläuche, die von Vergaser und Luftfilterkasten ins freie Führen sicherheitshalber nach oben Verlegen sonst kann es schnell vorkommen, daß die Mühle abstirbt (auch ohne das direkt Wasser in den Einsaugtrakt eindringt) und Erstmal mühsames Schieben ohne weitere Motorunterstützung angesagt ist...
...Ich kann eigentlich nur sagen: Wenn's nach mir gegangen wär' hätt' ich sie noch viel länger gefahren.
Die Tengaii ist ein sehr robustes und zuverlässiges Motorrad. Meiner Ansicht nach, sowohl etwas für Anfänger als auch für erfahrene Biker. Wer auch mal ins Gelände will und nicht unbedingt Höchstgeschwindigkeitsrekorde auf der Autobahn aufstellen will ist mit ihr gut bedient.
Ein wirklich schönes Moped eben ...